Synchronisation II (DIGI96 Serie)

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Samplefrequenz, Wordclock, PLL und Co: Ein kleiner Überblick zum besseren Verständnis

Mit dem fortschreitenden Wechsel von analoger zu digitaler Technik müssen sich immer mehr Anwender mit einem Thema beschäftigen, welches früher nur Fortgeschrittene und/oder Profis berührte: die Synchronisation. Für Verwirrung sorgen die verschiedenen Möglichkeiten, was im jeweiligen Falle gerade genau mit Synchronisation gemeint ist. In diesem Überblick geht es nicht um MIDI Time Clock oder SMPTE, sondern um die allgegenwärtige Problematik des digitalen 'Audio-Miteinander'.

CD zu DAT

CD-Player und DAT Rekorder bieten sich als Erklärungshilfe gleich mehrfach an, denn ihr Funktionsprinzip ist leicht verständlich, und die Geräte den meisten DIGI96 Anwendern sicher vertraut.

In der analogen Technik kann man beliebige Geräte beliebig miteinander verschalten, eine Synchronisation ist nicht erforderlich. Digital Audio ist jedoch einem Grundtakt, der Samplefrequenz, unterworfen. Das Signal kann nur korrekt weiterverarbeitet oder transportiert werden, wenn alle beteiligten Geräte dem gleichen Takt folgen. Ansonsten kommt es zu Fehlabtastungen des digitalen Signales, Verzerrungen, Knackgeräusche und Aussetzer sind die Folge.

Im praktischen Einsatz sind digitale Geräte entweder Master (Gebieter) oder Slave (Sklave). Der Master gibt den Takt vor, alle Slaves richten sich nach dem Master.

Nicht alle Geräte sind so konstruiert, daß sie sowohl Master als auch Slave sein können! Beispielsweise richten sich übliche CD-Player nur nach ihrer internen Clock. Sie lassen sich von außen nicht mit einem anderen Takt versorgen, können also nur Master sein.

Jedes Gerät, welches in der Lage ist digitale Audiodaten zu empfangen, ist automatisch slavefähig (also als Slave einsetzbar), sonst wäre keine störfreie Aufnahme möglich. Ein DAT beispielsweise enthält eine spezielle Schaltung, welche aus dem digitalen Datenstrom den Grundtakt extrahiert und als interne Clock zur Verfügung stellt. Ein Teil dieser Schaltung ist die PLL (Phase Locked Loop), grob übersetzt phasenstarre Regelschleife. Sie kann dank eines andauernden, genauen Vergleichsvorganges die Taktfrequenz aus dem Digitalsignal extrahieren.

Bild 1 zeigt das Zusammenspiel der Geräte. Der CD-Player gibt mittels seines digitalen Ausgangssignales (SPDIF) den Takt vor, der DAT lockt sich (mittels PLL) auf dieses Signal ein und schaltet seine interne Taktquelle ab. Dadurch kann er die Audiodaten des CD-Players ohne Störungen aufnehmen.

Master - oder wie?

Jeder digitale Eingang kann also auch als Referenztakt dienen, wobei diese Möglichkeit oft nur für den geräteinternen Gebrauch besteht. Da digitale Geräte auch ohne Eingangssignal funktionieren sollen, enthalten sie auch eine interne, feste Clock (Quarz). Deshalb ist der DAT bei Playback als Master nutzbar.
 

Übliche DATs sind allerdings bei Wiedergabe nur (!) als Master nutzbar, da - wie im Blockschaltbild dargestellt - bei Record die PLL, und bei Wiedergabe automatisch die interne Clock genutzt wird.

Verwirrend (und leider durch spezifische Fachbegriffe derzeit nicht abgedeckt) wird es bei der Unterscheidung zwischen einem masterfähigen und einem vollständig masterfähigen Gerät. Vollständig bedeutet, eine Aufnahme zu erlauben ohne den Takt aus dem Eingangssignal zu beziehen, also weiterhin die interne Clock zu benutzen (gewissermaßen masterfähig im Full Duplex Betrieb).

Wenn ein Gerät eine Aufnahme erlaubt, ohne den Takt aus dem Eingangssignal zu beziehen, müßte es eigentlich zu Störungen kommen, da keine Synchronität zwischen dem Takt des Eingangssignales und dem internen Takt vorhanden ist. Wenn aber durch eine passende Gerätezusammenstellung und Verkabelung die Voraussetzungen für einen solchen Betrieb geschaffen werden, ist das Ganze kein Problem.

Digitales Mischpult und ADAT

Dazu wieder ein Beispiel, bei dem ein solcher Betrieb an der Tagesordnung ist: Digitales Mischpult und ADAT Rekorder. Das Mischpult ist Master, sendet die Daten zum ADAT.

Dieser verhält sich nun etwas anders als 'normale' DATs, denn er bietet die Möglichkeit, seine Taktquelle zwischen dem digitalen Eingang und der internen Clock zu wählen (Bild 2). Während ein DAT bei Wiedergabe immer und automatisch auf die interne Clock umschaltet, bezieht der ADAT bei entsprechender Einstellung seinen Takt weiter aus dem digitalen Eingangssignal. Er läßt sich also über sein Eingangssignal in Sachen Samplefrequenz in jeder Betriebsart synchronisieren.

Egal ob Playback, Record oder Input Monitor, er wird immer mit dem vom Master (hier Mischpult) gelieferten Takt arbeiten, und seine Daten in diesem Takt zum Mischpult zurücksenden.

Solch ein Verhalten könnte man auch als synchronisierbar bezeichnen, wird bei vielen Anwendern damit jedoch den Eindruck erwecken, das Gerät ließe sich per Timecode zeitlich steuern, also zum Beispiel synchron zu einer anderen Bandmaschine vor- und zurückspulen. Diese Fähigkeit hat jedoch nichts mit der hier zu Grunde liegenden Synchronisation auf die Samplefrequenz zu tun!

Damit es keine Tonstörungen durch Fehlabtastungen am digitalen Eingang des Mischpultes gibt, muß das Eingangssignal voll synchron zum vom Mischpult ausgegebenen Takt sein. Denn die Eingänge werden ja nicht über eine PLL auf den Takt des Eingangssignales eingestellt, sondern fest vom internen Takt des Mischpultes gesteuert. Und genau das ist in diesem Beispiel der Fall: Das Pult sendet ein Digitalsignal, erzeugt von seiner internen Clock, der ADAT empfängt dieses, kann sich dank PLL darauf 'einlocken', gibt wiederum ein Digitalsignal mit genau diesem Takt aus, welches dann am Mischpult als gültiges Eingangssignal fehlerfrei zu empfangen ist.

Interessant wird es genau anders herum: Das Mischpult wird als Slave betrieben, statt der internen Clock eine externe benutzt (Digitalsignal des ADAT am Mischpulteingang). Der ADAT arbeitet in der Betriebsart 'Int 44,1' oder 'Int 48'. Dann ist der ADAT Master. Verglichen mit einem DAT würde diese Konfiguration in dem Augenblick zusammenbrechen, wo der DAT auf Aufnahme gestellt wird. Der ADAT dagegen kann auch bei laufender Aufnahme den Takt vorgeben.

Eine Aufnahme ist nur deshalb störfrei möglich, weil sich das Mischpult auf den Takt des ADAT lockt, und seine Audiodaten mit genau diesem Takt zwecks Aufnahme zum ADAT sendet. Mit vielen digitalen Geräten ist diese Betriebsart nicht möglich, da sie bei Wiedergabe immer die interne Clock benutzen.

DIGI96 Serie

Das Funktionsprinzip der DIGI96 Karten ist in Bild 3 zu sehen. Alle drei Versionen besitzen interne Quarze, können also auch ohne Eingangssignal eine Wiedergabe in den festen Samplefrequenzen 32 kHz, 44,1 kHz, 48 kHz, 64 kHz, 88,2 kHz und 96 kHz leisten.

Sie können sich aber auch über eine PLL in der Eingangsschaltung auf das Eingangssignal synchronisieren. Im Gegensatz zum DAT in Bild 1 steht diese Synchronisation jedoch auch bei einer Wiedergabe zur Verfügung. Ist in der Settingsbox 'AutoSync' aktiv, und erkennt die Hardware ein gültiges Eingangssignal mit einer ähnlichen Samplefrequenz wie der gerade zum Abspielen benötigten, schaltet sie den Quarz ab und auf den am Eingang anliegenden Takt um.

Dieser Automatismus hat viele praktische Vorteile, und erlaubt zudem einen echten Varipitch-Betrieb, da die Samplefrequenz am Eingang zwischen 25 kHz und 105 kHz betragen kann. Die DIGI Karten sind also als Slave und Master einsetzbar und selbst bei Wiedergabe über das Eingangssignal synchronisierbar. Im Gegensatz zur DIGI32 Serie ist der gemeinsame Speicher jedoch unterteilt, Aufnahme und Wiedergabeteil sind getrennt. Der Eingangsteil (für die Aufnahme) lockt sich grundsätzlich per PLL auf das Eingangssignal, während der Ausgangsteil wahlweise von der PLL oder dem Quarz gesteuert wird. Die DIGI96 Serie ist damit vollständig Master-fähig.

Die Karten der DIGI96 Serie wurden als kompromißlose Hi-Speed Interfaces entworfen. Ein- und Ausgang teilen sich einen gemeinsamen Speicher (was zu einer sensationell geringen Loop Delay von nur 2 Samples bei Record while Play führt). Bei aktivem AutoSync sind Ein- und Ausgang absolut 'In Phase'.

Schleifenbetrieb

Dank der Master-Fähigkeit beherrschen die Karten der DIGI96 Serie auch den sogenannten Schleifenbetrieb. Die DIGI32 Serie ist prinzipiell nicht in der Lage, alleine einen Schleifenbetrieb aufrecht zu erhalten. Eine typische Anwendung ist der Anschluß eines digitalen Effektgerätes mit Ein- und Ausgang an die DIGI32. Digitale Effektgeräte arbeiten meist genau wie die DIGI32, lassen sich also konstant vom Eingangssignal synchronisieren, jedoch nicht auf internen (vollständigen) Masterbetrieb umstellen. Das Abspielen von Audiodaten, senden zum Effektgerät, und sofortiges Wiederaufnehmen des bearbeiteten Signales ist daher trotz Full Duplex von Karte und Effektgerät nicht möglich, da das Signal innerhalb der Schleife sofort zusammenbricht. Die DIGI96 Serie dagegen erfordert nur die Einstellung 'Master' im Feld 'Clock Mode', schon funktioniert alles wie gewünscht.

DIGI96/8 und ADAT

Für die ADAT Schnittstelle der DIGI96/8 gilt alles bisher gesagte ebenfalls. Deshalb ist der Schleifenbetrieb von ADAT und DIGI96/8 problemlos möglich, solange eines der beiden Geräte als Master fungiert.

Die andere Synchronisation

Nachdem nun ständig die Rede von Synchronisation war möchten wir noch einmal darauf hinweisen, daß es sich in diesem Tech Info nur um die störfreie Übertragung von digitalen Audiodaten dreht. Absolute Zeitpositionen oder synchrones Umspulen (Chase Lock Sync) sind ein anderes Thema, und weder eine Frage von Bitclock noch Wordclock (wobei die Bitclock natürlich auch hier ihre Vorteile ausspielen kann).
 

Wer beispielsweise einzelne Spuren seines ADAT-Bandes auf einen PC transferrieren, dort bearbeiten und danach wieder auf den ADAT zurückspielen will, kann dies nur tun, wenn die PC-Software und der ADAT über externe Hardware und einen Timecode (MIDI Time Clock, SMPTE) synchronisiert sind.

Doch selbst dann lauert der Teufel im Detail. So entsteht durch die Buffer der Software bei Aufnahme und Wiedergabe eine Verzögerung, welche für eine genaue Positionierung die Eingabe eines passenden Offsets erfordert. Im Chase Lock Sync Betrieb ist ein weiterer Korrekturfaktor nötig, da die Software ihre Position intern ausgehend von einer idealen 44,1 kHz Samplefrequenz berechnet, die in der Realität dagegen immer eine (wenn auch geringe) Abweichung aufweist.

Glossar

Bitclock PLL: Spezielle Form der PLL mit feinerer Regelung auf Bitebene statt auf Wortebene
Full Duplex: Die Fähigkeit zur gleichzeitigen Aufnahme und Wiedergabe (Record while Play)
In Phase: Wenn zwei Taktsignale absolut synchron sind
Jitter: Schwankungen eines Signales auf zeitlicher Ebene
Loop: Englisch für Schleife
Loop Clock: Gerät, welches mehreren Geräten in Schleifenverkabelung einen anderen Takt aufzwingt
Loop Delay: Verzögerung eines Signales im Schleifenbetrieb. Tritt u. a. bei gleichzeitigem Abspielen und Aufnehmen per Schleifenverkabelung mit nur einer Karte auf (Loop Back; bei DIGI32 Karten nur mit externer Loop-Clock möglich)
Master: Referenz Taktquelle, steuert alle Slaves
PLL: Phase Locked Loop, phasenstarre Regelschleife. Erzeugt aus komplexen Signalen ein einfaches Taktsignal mit der gewünschten Frequenz
Quarz: Elektronisches Bauteil; liefert den Grundtakt mit minimalster Abweichung und sehr geringem Jitter
Samplefrequenz: Anzahl der Abtastungen des Audiosignales pro Sekunde
Slave: Folgt der Referenz Taktquelle vom Master
SPDIF: Sony/Philips-Digital Interface, Consumerversion des digitalen Audiosignals
SRC: Sample Rate Converter, paßt beliebige Samplefrequenzen an die gewünschte an
Timecode: Konstant durchlaufendes Zeitsignal, welches eine absolute Positionierung erlaubt
Wordclock: Reine Samplefrequenz ohne Audiodaten, dient zur Synchronisation aller damit gespeisten Geräte.

Copyright © Matthias Carstens, 1998.
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